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Wir alle kennen dieses frustrierende Szenario: Du kommst nach einem langen Arbeitstag nach Hause, möchtest einfach nur deine Lieblingsserie streamen oder eine Runde online spielen, und nichts geht mehr. Das Bild puffert, der Ping schießt in die Höhe, oder die Verbindung bricht komplett ab. Du rufst bei der Hotline deines Providers – ob Vodafone, PYUR oder andere – an, hängst ewig in der Warteschleife und bekommst am Ende den Standardspruch gedrückt: „Also, auf unserer Seite sieht alles gut aus. Haben Sie den Router schon mal neu gestartet?“ Du stehst als Kunde meistens als der Dumme da. Der Provider hat die Daten, du hast nur den Ärger. Doch damit ist jetzt Schluss. Heute stelle ich dir eine echte Geheimwaffe vor, die die Machtverhältnisse zwischen dir und deinem Internetanbieter umkehrt: DOCSight.

Dieses geniale Open-Source-Tool, entwickelt von dem deutschen IT-Professional Dennis Braun (auf GitHub als itsDNNS bekannt), ist genau aus dieser Frustration heraus entstanden. DOCSight überwacht deine Kabelverbindung rund um die Uhr, sammelt unerbittlich Beweise für jeden noch so kleinen Ausfall und generiert dir am Ende auf Knopfdruck ein offizielles Beschwerde-PDF, das kein Support-Mitarbeiter mehr ignorieren kann.

In diesem ultimativen Guide erfährst du alles, was du über DOCSight wissen musst: wie es funktioniert, was die technischen Werte bedeuten und wie du es dir in wenigen Minuten als Docker-Container direkt zu Hause installierst.

Für eine detaillierte Anleitung und Erklärung aller Konfigurationsmöglichkeiten empfehle ich das unten verlinkte YouTube-Video. In diesem Video wird ausführlich auf jede einzelne Einstellung eingegangen, sodass du eine umfassende Anleitung zur genauen Einrichtung erhältst. Eventuellen Code aus dem Video findest du in diesem Beitrag, so dass du ihn direkt nutzen kannst, ohne abtippen zu müssen.

Dieser Blogbeitrag inklusive Video ist Teil einer Serie, in der wir unseren eigenen Homeserver erstellen und einrichten. Wir fangen bei den Basics an, wie einer Ubuntu-VM-Installation mit Docker, und machen dann weiter mit der Konfiguration einer eigenen Domain, Sicherheitsvorkehrungen und vor allem mit jeder Menge coolen und nützlichen selbstgehosteten Diensten. Egal ob Medienserver wie Plex oder Jellyfin oder Dokumentenmanagement wie Paperless-NGX. Wir bauen gemeinsam das Setup auf, das ihr sehen möchtet. Selbst Themen wie Single Sign-On (SSO) gehen wir gemeinsam an.

Was genau ist DOCSight?

DOCSight ist eine webbasierte Monitoring-Lösung, die speziell für DOCSIS-Kabelmodems (wie die AVM FRITZ!Box Cable Serie, Vodafone Station oder das Arris TC4400) entwickelt wurde. Es loggt sich automatisch im Hintergrund in deinen Router ein und liest in regelmäßigen Abständen alle relevanten Leitungswerte aus.

Während dein Provider bei einem Anruf immer nur eine Momentaufnahme macht (und der Fehler in genau dieser Sekunde natürlich nicht auftritt), baut DOCSight eine lückenlose Historie auf. Es erkennt Muster, dokumentiert Abbrüche mit präzisem Zeitstempel und visualisiert die Qualität deiner Leitung über Tage, Wochen und Monate hinweg.

Aber DOCSight ist nicht nur ein Dashboard für Technik-Nerds. Das absolute Killer-Feature ist die Beweissicherung. Das Tool bündelt alle gesammelten Vorfälle in einem sogenannten Incident Journal (Vorfallprotokoll) und generiert daraus offizielle, wasserdichte Beschwerdebriefe als PDF. Diese kannst du direkt an deinen Anbieter oder – noch besser – an die Bundesnetzagentur schicken.

Was ist, wenn ich gar kein Kabelinternet habe?

Du hast Glasfaser, VDSL oder Starlink? Kein Problem! Obwohl DOCSight primär für die Tiefenanalyse von DOCSIS-Netzen gebaut wurde, bietet es einen Generic Router Mode. In diesem Modus fallen zwar die spezifischen Signalpegel-Messungen weg, aber du profitierst weiterhin von den Kernfunktionen:

  • Speedtest-Tracking
  • Incident Journal (Ausfallprotokollierung)
  • Generierung des Beschwerde-PDFs

So hast du auch bei anderen Anschlusstypen endlich ein Werkzeug an der Hand, um Unterbrechungen professionell zu dokumentieren.

Die Kernfunktionen: Das Arsenal deiner neuen Geheimwaffe

DOCSight bietet eine Fülle an Funktionen, die laufend durch die Community und den Entwickler erweitert werden. Hier sind die wichtigsten Features im Detail:

  • 24/7 Signal-Monitoring: DOCSight erfasst jeden DOCSIS-Metrik-Wert rund um die Uhr. Dazu gehören Downstream Power, Upstream Power, SNR (Signal-to-Noise Ratio), Modulationen, Fehlerraten, Latenzen und die tatsächliche Geschwindigkeit.
  • Der Beschwerde-Generator: Mit einem Klick erzeugst du ein strukturiertes PDF. Eine Beschwerde ohne Struktur ist für Provider nur Rauschen. Ein Dokument mit benannten Vorfällen, automatisierten Messungen über Wochen und grafischen Vorher/Nachher-Vergleichen ist jedoch ein juristisch handfester Beweis.
  • Incident Journal & Vorher/Nachher-Vergleiche: Du kannst bestimmte Zeiträume markieren, in denen das Internet extrem schlecht war, und sie mit Zeiträumen vergleichen, in denen es funktionierte. DOCSight erstellt visuelle Overlays, die den Qualitätsabfall („Degradation“) glasklar belegen.
  • Speedtest-Tracking: DOCSight integriert Geschwindigkeitstests (inklusive der Erkennung von Server-IDs und -Namen), damit du dokumentieren kannst, ob die vertraglich vereinbarte Leistung überhaupt bei dir ankommt.
  • Home Assistant Integration: Über das MQTT-Protokoll funkt DOCSight alle Modem-Werte direkt in dein Smart Home. So kannst du dir Warnungen auf dein Handy pushen lassen oder smarte Lampen rot leuchten lassen, wenn der Upstream einbricht.
  • BQM (Broadband Quality Monitor) Import: Du hast alte Pings-Graphen von ThinkBroadband? DOCSight erlaubt den nahtlosen Import dieser historischen Bilder per Drag-and-Drop, um sie neben deinen lokalen DOCSIS-Daten einzureihen.
  • 100% Lokal & Privat: DOCSight läuft komplett auf deiner eigenen Hardware (Self-hosted). Keine Daten verlassen dein Netzwerk, nichts wird in eine dubiose Cloud geladen. Deine Netzwerkdaten gehören dir.

Das ist alles Stand heute und wird aktuell noch sehr fleißig weiterentwickelt! Für einige Features musst du weitere Tools einrichten.

Technik-Exkurs: DOCSIS verstehen lernen

Damit du die Graphen in DOCSight richtig deuten und dem Support am Telefon Paroli bieten kannst, müssen wir kurz in die Technik abtauchen. DOCSIS (Data Over Cable Service Interface Specification) ist der Standard, der schnelles Internet über das Koaxialkabel (das alte TV-Kabel) ermöglicht.

Das Dashboard von DOCSight zeigt dir verschiedene Metriken an. Hier ist die Übersetzung in verständliches Deutsch:

1. Downstream (Empfangsrichtung)

Das ist das Signal, das vom Verteiler auf der Straße zu dir ins Haus kommt.

  • Power Level (Signalpegel): Dieser Wert wird in dBmV gemessen. Er sollte idealerweise nahe bei $0$ dBmV liegen. Tolerabel ist oft ein Bereich von $-6$ bis $+6$ dBmV (je nach Modulation und Provider-Vorgabe). Ist der Wert zu niedrig, kommt das Signal zu schwach an. Ist er zu hoch, „übersteuert“ das Signal und der Router versteht nur noch Rauschen.
  • SNR / MER (Signal-Rausch-Abstand): Das ist wohl der wichtigste Wert! Er gibt an, wie gut das eigentliche Datensignal aus dem Hintergrundrauschen der Leitung heraussticht. Je höher dieser Wert in dB, desto besser. Werte über $33$ dB (bei QAM256) sind gut, fällt der SNR unter $30$ dB, kommt es zu massiven Paketverlusten und Verbindungsabbrüchen. DOCSight alarmiert dich sofort, wenn dieser Wert abrutscht.

2. Upstream (Senderichtung)

Das ist das Signal, das dein Router „zurückbrüllt“ in Richtung Verteilerkasten.

  • Power Level: Im Gegensatz zum Downstream muss dieser Wert hoch sein. Dein Modem muss laut genug senden, um die Dämpfung des Kabels und der Rückkanalstörer zu überwinden. Werte zwischen $40$ und $50$ dBmV sind meist optimal. Steigt der Wert über $50$ dBmV (oder sogar auf $58$ dBmV), muss dein Router förmlich „schreien“, um gehört zu werden. Das ist ein klares Zeichen für ein massives Problem auf der Leitung oder im Hausverstärker.

3. Fehlerzähler (Correctable vs. Uncorrectable)

Auf der Leitung entstehen immer mal Fehler.

  • Correctables: Das sind Fehler, die das Modem dank eingebauter Fehlerkorrektur selbst reparieren konnte. Ein paar davon sind völlig normal.
  • Uncorrectables: Hier wird es kritisch. Das sind zerstörte Datenpakete, die nicht mehr gerettet werden konnten und neu angefordert werden müssen. Ein rasanter Anstieg der Uncorrectables bedeutet: Dein Internet stottert, Pings schnellen in die Höhe, Streams brechen ab. DOCSight trackt diese Werte auf jedem einzelnen Kanal.

Pro-Tipp: DOCSight hat kürzlich auf Wunsch der Community ein Feature eingeführt, mit dem du mehrere DOCSIS-Kanäle (Multi-Channel Comparison) in einem Graphen übereinanderlegen kannst. So siehst du sofort, ob nur eine Frequenz gestört ist oder gleich der ganze Frequenzblock ausfällt!

Installation von DOCSight via Docker

DOCSight ist als Docker-Container konzipiert. Das bedeutet, es ist extrem leichtgewichtig und läuft auf fast allem: einem kleinen Raspberry Pi, einem Mini-PC, einem Unraid-Server oder auf einem NAS-System (wie Synology oder QNAP).

Voraussetzungen:

  • Eine laufende Docker-Umgebung (Docker Engine & Docker Compose).
  • Ein unterstütztes Kabelmodem mit Web-Interface (z.B. eine FRITZ!Box Cable).
  • (Optional) Ein MQTT-Broker für die Home-Assistant-Anbindung.

Schritt 1: Die docker-compose.yml erstellen Lege auf deinem Server einen neuen Ordner für DOCSight an und erstelle darin eine Datei namens docker-compose.yml. Füge folgenden Code ein:

services:
  docsight:
    image: ghcr.io/itsdnns/docsight:latest
    container_name: docsight
    restart: unless-stopped
    ports:
      - "8765:8765"
    volumes:
      - /mnt/cache/appdata/monitoring/docsight:/data
    environment:
      - TZ=Europe/Berlin

Schritt 2: Container starten Öffne das Terminal im selben Ordner und starte den Container mit einem simplen Befehl:

docker-compose up -d

Schritt 3: Der Setup-Wizard Öffne nun deinen Webbrowser und rufe die IP-Adresse deines Servers gefolgt vom Port 8765 auf (z.B. http://192.168.178.50:8765). Der DOCSight Setup-Wizard begrüßt dich sofort. Du musst nun lediglich die URL deines Modems (z.B. bei einer AVM FRITZ!Box http://192.168.178.1), deinen Benutzernamen und dein Passwort eingeben. Nach einem kurzen Verbindungstest kannst du noch das Abfrageintervall (z.B. alle 5 Minuten) und deine bevorzugte Sprache (verfügbar in 🇩🇪, 🇬🇧, 🇪🇸, 🇫🇷) festlegen.

Tipp: lege in deinem Router einen neuen Nutzer für die Verbindung an.

Das war’s! Ab diesem Moment sammelt DOCSight im Hintergrund deine Daten.

Das ultimative Setup: Die „Full Stack“ Installation

Wenn du den einfachen Docker-Container am Laufen hast, bist du schon besser aufgestellt als 99 % aller Kabelkunden. Aber für die echten Power-User und diejenigen, die rechtlich absolut wasserdichte Beweise für eine Sonderkündigung oder Minderung der monatlichen Kosten sammeln wollen, gibt es auf GitHub noch das „Full Stack“ Compose-Beispiel (hier im Wiki zu finden).

Bei dieser Full-Stack-Installation ziehst du dir nicht nur DOCSight auf den Server, sondern gleich eine komplette Armada an Überwachungs-Tools, die nahtlos ineinandergreifen.

Aus welchen Tools besteht der Full Stack und was machen sie?

Ein solches erweitertes Setup kombiniert in der Regel mehrere spezialisierte Container, die gemeinsam ein unschlagbares Beweis-Paket schnüren:

  1. DOCSight (Das Herzstück): Wie bereits beschrieben, ist dies der Kern deines Setups. DOCSight ist dafür zuständig, die physikalischen Leitungswerte deines Modems (Signalpegel, SNR, Fehlerzähler) im Sekundentakt auszulesen und das finale Beschwerde-PDF zu generieren. Es beobachtet die „Rohre“, durch die dein Internet fließt.
  2. Breitbandmessung (Die offizielle Instanz): Das ist der absolute Gamechanger. Die offizielle Desktop-App der Bundesnetzagentur (Breitbandmessung) lässt sich ebenfalls als Container-Lösung betreiben. Während DOCSight schaut, warum die Leitung schlecht ist, misst dieser Container hochoffiziell, wie viel Geschwindigkeit tatsächlich bei dir ankommt. Er führt automatisierte, rechtlich anerkannte Messkampagnen (z. B. 30 Messungen an 3 Tagen) durch.
  3. MQTT-Broker / Home Assistant (Die Meldekette): Oft ist im Full Stack ein Nachrichten-Broker wie Eclipse Mosquitto integriert. Er nimmt die Daten von DOCSight und pusht sie in Echtzeit an dein Smart-Home-System.

Wie alles genial zusammenarbeitet

Die Magie passiert in der Kombination der Tools. Nehmen wir an, du hast abends immer massive Einbrüche bei der Download-Geschwindigkeit.

Der Breitbandmessung-Container startet seine Messkampagne und protokolliert hochoffiziell: „Kunde hat statt gebuchter 1000 Mbit/s nur 80 Mbit/s anliegen. Das ist eine vertragliche Unterversorgung.“ Dieser Report allein reicht oft schon für eine Minderung der Rechnung. Aber der Provider könnte sich noch herausreden („Das liegt an ihrem Heimnetzwerk!“).

Hier grätscht DOCSight rein: Im genau gleichen Zeitraum zeigt DOCSight an, dass die Modulation im Downstream wegen eines defekten Verstärkers auf der Straße komplett eingebrochen ist. Du legst dem Provider oder der Netzagentur also beides vor: Den offiziellen Speed-Einbruch (Breitbandmessung) und die physikalische Ursache am Knotenpunkt (DOCSight). Aus dieser Zange kommt kein Support-Mitarbeiter mehr heraus!

⚠️ Wichtiger Hinweis zur Einrichtung

So verlockend der Full Stack auch ist, hier ist etwas handwerkliches Geschick gefragt! Diese zusätzlichen Tools laufen nicht einfach „out of the box“ mit DOCSight mit.

Eigene Konfiguration zwingend erforderlich: Jeder Container im Full Stack benötigt seine eigenen Umgebungsvariablen (.env Dateien), Volume-Freigaben und Port-Zuweisungen.

  • Die Tücken der Breitbandmessung: Besonders der Breitbandmessung-Container erfordert Aufmerksamkeit. Da es sich um die offizielle Software der BNetzA handelt, musst du oft per VNC (virtueller Desktop im Browser) auf den Container zugreifen, um initial den AGB zuzustimmen, deinen Tarif manuell einzutragen und die Messkampagne händisch zu starten. Es ist kein reiner „Installieren und Vergessen“-Prozess.

Nimm dir für das Full-Stack-Setup also am Wochenende eine ruhige Stunde Zeit, lies die Dokumentation der jeweiligen Container-Maintainer aufmerksam durch und passe die Konfigurationen an dein eigenes Netzwerk an. Der Aufwand lohnt sich extrem, wenn du endlich schwarz auf weiß beweisen willst, dass der Fehler definitiv nicht an deinem WLAN liegt!

Umsetzung im YouTube-Video

Fazit

Der Kampf gegen große Telekommunikationsunternehmen fühlt sich oft an wie der Kampf gegen Windmühlen. Als Kunde wirst du am Telefon mit standardisierten Phrasen abgespeist, während du Monat für Monat gutes Geld für eine Leistung bezahlst, die nicht geliefert wird.

DOCSight ändert die Spielregeln. Es ist nicht nur ein reines Monitoring-Tool für dein Heimnetzwerk, es ist dein persönlicher, digitaler Anwalt. Es verwandelt vage Aussagen wie „Mein Internet ist irgendwie langsam“ in harte Fakten: „Am 12. Mai zwischen 18:00 und 21:30 Uhr sank der SNR auf Kanal 4 unter 28 dB, was zu 45.000 unkorrigierbaren Fehlern und massiven Paketverlusten führte. Siehe Anlage 1 im PDF.“ Damit setzt du deinen Provider unter echten Zugzwang. Nimm die Netzwerkanalyse selbst in die Hand, installiere dir DOCSight und sorge dafür, dass du bekommst, wofür du bezahlst!

Nützliche Links auf einen Blick

Die Anzeige der Produkte wurde mit dem WordPress-Plugin „Affiliate-Toolkit“ umgesetzt.

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