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Hast du dich auch schon mal dabei ertappt, wie du im Dezember sehnsüchtig auf dein „Spotify Wrapped“ wartest? Dieser eine Moment im Jahr, in dem Spotify dir den Spiegel vorhält und zeigt, dass du eigentlich viel zu viel 80er-Jahre-Synth-Pop gehört hast?
Was wäre, wenn ich dir sage, dass du nicht bis zum Jahresende warten musst? Stell dir vor, du hättest dein eigenes, privates Dashboard, das jede einzelne Sekunde deines Musikgeschmacks trackt – in Echtzeit, auf deinem eigenen Server und mit voller Datenkontrolle.
Hier kommt YourSpotify ins Spiel. In diesem Guide zeige ich dir, wie du dieses geniale Self-Hosted-Tool installierst und warum es das ultimative Upgrade für jeden Musik-Nerd ist.
Für eine detaillierte Anleitung und Erklärung aller Konfigurationsmöglichkeiten empfehle ich das unten verlinkte YouTube-Video. In diesem Video wird ausführlich auf jede einzelne Einstellung eingegangen, sodass du eine umfassende Anleitung zur genauen Einrichtung erhältst. Eventuellen Code aus dem Video findest du in diesem Beitrag, so dass du ihn direkt nutzen kannst, ohne abtippen zu müssen.
Dieser Blogbeitrag inklusive Video ist Teil einer Serie, in der wir unseren eigenen Homeserver erstellen und einrichten. Wir fangen bei den Basics an, wie einer Ubuntu-VM-Installation mit Docker, und machen dann weiter mit der Konfiguration einer eigenen Domain, Sicherheitsvorkehrungen und vor allem mit jeder Menge coolen und nützlichen selbstgehosteten Diensten. Egal ob Medienserver wie Plex oder Jellyfin oder Dokumentenmanagement wie Paperless-NGX. Wir bauen gemeinsam das Setup auf, das ihr sehen möchtet. Selbst Themen wie Single Sign-On (SSO) gehen wir gemeinsam an.
Was ist Your Spotify eigentlich?
„Your Spotify“ ist eine Open-Source-Anwendung, die von dem Entwickler Yooooomi ins Leben gerufen wurde. Im Kern ist es ein Duo aus einem Webserver und einer schicken Weboberfläche. Der Server fragt in regelmäßigen Abständen die Spotify-API ab, um zu sehen, was du gerade hörst. Diese Daten werden in einer Datenbank gespeichert und visuell für dich aufbereitet.
Der Clou: Im Gegensatz zum offiziellen Spotify Wrapped, das nur einen Bruchteil deiner Daten (und das auch nur für einen begrenzten Zeitraum) zeigt, gehört hier alles dir. Du siehst deine Top-Künstler, Alben und Songs über Wochen, Monate oder Jahre hinweg – ohne dass Spotify entscheidet, was „relevant“ ist.
Die wichtigsten Features auf einen Blick:
- Playlist-Generator: Erstelle Playlists basierend auf deinen meistgehörten Songs direkt aus dem Dashboard.
- Echtzeit-Statistiken: Sieh sofort, wie sich dein Geschmack verändert.
- Historische Daten: Importiere deine gesamte Spotify-Historie seit der Kontoerstellung.
- Multi-User-Support: Hoste das Dashboard für dich, deine Familie oder Freunde.
- Datenschutz: Deine Daten liegen auf deinem Server, nicht in irgendeiner Cloud.

Warum solltest du es selbst hosten?
Vielleicht fragst du dich: „Reichen mir die Standard-Stats nicht aus?“ Nun, es gibt drei entscheidende Gründe für das Self-Hosting:
- Vollständigkeit: Spotify Wrapped ignoriert oft die Zeit nach Oktober. Your Spotify trackt 365 Tage im Jahr, 24/7.
- Transparenz: Du siehst die genaue Anzahl der Streams. Nicht nur „Du gehörst zu den Top 1%“, sondern „Du hast diesen Song 452 Mal gehört“.
- Lerneffekt: Es ist ein fantastisches Projekt, um sich mit Docker, APIs und Datenbanken vertraut zu machen.
Der technische Unterbau: Warum MongoDB und Node.js?
Um zu verstehen, warum YourSpotify so performant ist, müssen wir einen Blick unter die Haube werfen. Die Anwendung nutzt den sogenannten MERN-Stack (allerdings mit Fokus auf das Backend).
- MongoDB: Da Musikdaten (JSON-Metadaten von Spotify) oft unstrukturiert sind oder sich die API-Antworten leicht ändern können, ist eine NoSQL-Datenbank wie MongoDB ideal. Sie speichert deine Streams als Dokumente ab, was extrem schnelle Abfragen ermöglicht, wenn du nach „Top-Songs im Sommer 2021“ filterst.
- Node.js & React: Das Backend ist in Node.js geschrieben, was perfekt für die asynchronen API-Abrufe bei Spotify ist. Das Frontend (React) sorgt dafür, dass die Diagramme flüssig animiert werden.
Warum nicht einfach eine Excel-Liste?
Manche nutzen Export-Tools, um ihre Daten in Excel zu schieben. Doch hier ist das Problem: Spotify-Daten sind „lebendig“. Ein Song, den du heute hörst, hat morgen vielleicht ein anderes Album-Cover oder die Künstler-ID ändert sich. Your Spotify hält die Verknüpfungen konsistent und erlaubt es dir, durch die Daten zu navigieren, als wäre es eine native Spotify-App.
Schritt-für-Schritt: So installierst du YourSpotify
Die Installation ist dank Docker-Compose erstaunlich einfach. Hier ist der Fahrplan, wie du von „Keine Ahnung“ zu „Daten-Profi“ wirst.
1. Voraussetzungen schaffen
Bevor du startest, benötigst du:
- Einen Server (z. B. einen Raspberry Pi, ein NAS wie Synology oder einen günstigen VPS).
- Installiertes Docker und Docker-Compose.
- Einen Spotify-Account (natürlich!).
2. Die Spotify API-App erstellen
Damit dein Server mit Spotify reden darf, musst du ihn „vorstellen“:
- Gehe zum Spotify Developer Dashboard.
- Erstelle eine neue App („Create App“).
- Gib ihr einen Namen (z. B. „Mein Stats Dashboard“).
- Ganz wichtig: Setze die
Redirect URI. Wenn du lokal testest, ist das meist:http://localhost:8080/api/oauth/spotify/callback. - Kopiere die Client ID und das Client Secret. Diese brauchen wir gleich.
3. Docker-Compose konfigurieren
Erstelle eine Datei namens docker-compose-yourspotify.yml. Hier ist ein bewährtes Template basierend auf dem offiziellen Repository:
services:
yourspotify:
image: lscr.io/linuxserver/your_spotify
container_name: yourspotify
restart: unless-stopped
networks:
- sascha
environment:
- TZ=Europe/Berlin
- APP_URL=https://192.168.178.79:446
- SPOTIFY_PUBLIC=deineSpotifyAppClientID
- SPOTIFY_SECRET=deinSpotifyAppClientSecret
- CORS=all
- MONGO_ENDPOINT=mongodb://yourspotify-db:27017/your_spotify
- PUID=99
- PGID=100
- UMASK=022
ports:
- "8585:80"
- "446:443"
healthcheck:
test: ["CMD", "curl", "--fail", "http://localhost", "||", "exit", "1"]
interval: 1m
timeout: 10s
retries: 3
yourspotify-db:
image: mongo
container_name: yourspotify-db
restart: unless-stopped
networks:
- sascha
environment:
- TZ=Europe/Berlin
ports:
- "27017:27017"
volumes:
- /mnt/cache/appdata/mediaserver/yourspotify-db:/data/db:rw
tmpfs: # Das tmpfs Mounting ist nur um das leere Volume loszuwerden
- /data/configdb
healthcheck:
test: ["CMD-SHELL", "echo 'db.runCommand(\"ping\").ok' | mongosh localhost:27017/test --quiet"]
interval: 1m
timeout: 10s
retries: 3
networks:
sascha:
external: true
Diese Docker-Compose-Datei setzt YourSpotify zusammen mit einer benötigten Datenbank auf, um deine Spotify-Statistiken zu analysieren.
Die Dienste
- YourSpotify (Anwendung): Das Hauptprogramm, das die Weboberfläche und die Logik bereitstellt. Es wird über das LinuxServer-Image geladen und startet automatisch neu, sofern es nicht händisch gestoppt wurde.
- YourSpotify-DB (Datenbank): Eine MongoDB, die als Speicherort für deine gesammelten Daten dient. Sie kommuniziert intern mit der Hauptanwendung.
Netzwerke und Erreichbarkeit
- Beide Container kommunizieren über das externe Netzwerk sascha.
- Die Anwendung ist über Port 8585 (Standard) und sicher über Port 446 (HTTPS) erreichbar.
- Die Datenbank nutzt den Standard-Port 27017, um für die Anwendung erreichbar zu sein.
Konfiguration und Spotify-Anbindung
- Damit die App funktioniert, sind die Spotify Client ID und das Secret hinterlegt, die für die Kommunikation mit der Spotify-Schnittstelle notwendig sind.
- Die Anwendung weiß über eine interne Adresse genau, wo sie die MongoDB-Datenbank findet.
- Für die Dateiberechtigungen auf dem Server werden wieder die Benutzer-IDs 99 und 100 verwendet.
Sicherheit und Wartung
- Gesundheitscheck: Beide Container prüfen jede Minute selbstständig, ob sie noch reagieren. Wenn die Anwendung oder die Datenbank dreimal hintereinander nicht antwortet, wird der Status als fehlerhaft markiert.
- Datenspeicherung: Die Datenbank speichert ihre Informationen dauerhaft auf dem Host-System im Pfad für Mediaserver-Daten. Temporäre Konfigurationsdaten werden im Arbeitsspeicher (tmpfs) gehalten, um den Server sauber zu halten.
4. Starten und Genießen
Öffne dein Terminal und du kannst die Services dann ganz einfach mit folgendem Befehl starten (der Name muss natürlich angepasst werden):
docker compose -f "docker-compose-yourspotify.yml" up -d
Nach ein paar Sekunden kannst du über https://<deineIP>:8585 auf dein Dashboard zugreifen. Logge dich mit Spotify ein, und das Tracking beginnt!
Fortgeschrittene Installation: Reverse Proxy und Sicherheit
Wenn du YourSpotify nicht nur zu Hause im WLAN nutzen willst, sondern auch unterwegs im Bus sehen möchtest, was du gerade hörst, brauchst du einen Reverse Proxy.
Erreichbarkeit über HTTPS
Niemand möchte seine Spotify-Zugangsdaten über eine unverschlüsselte HTTP-Verbindung senden. Hier kommen Tools wie Nginx Proxy Manager (siehe Installation von NGINX Proxy Manager inkl. Video) oder Traefik ins Spiel.
- Erkläre, wie man eine Subdomain (z. B.
stats.deine-domain.de) anlegt. - Gehe auf das SSL-Zertifikat von Let’s Encrypt ein.
- Wichtig: Wenn du die URL änderst, musst du zwingend zurück in das Spotify Developer Dashboard und die
Redirect URIsanpassen, sonst schlägt der Login fehl.
Der „Deep Dive“: Importiere deine Vergangenheit
Wenn du YourSpotify frisch installierst, fängt es bei Null an. Aber das Tool bietet eine mächtige Import-Funktion. Du kannst bei Spotify deine gesamten Daten anfordern (unter den Datenschutzeinstellungen).
- Kleiner Datensatz: Dauert ca. 5 Tage (letztes Jahr).
- Erweiterte Historie: Kann bis zu 30 Tage dauern (alle Daten seit Kontoerstellung).
Sobald du die JSON-Dateien von Spotify per E-Mail erhältst, lädst du sie einfach im Settings-Bereich von Your Spotify hoch. Boom – plötzlich hast du Statistiken über Jahre hinweg!
Dann kannst du außerdem mal sehen, wie viele Daten Spotify über dich und dein Hörverhalten sammelt. Jeder gehörte Song von jedem Nutzer wird getrackt. Eine riesige Datenflut.
Umsetzung im YouTube-Video
Fazit: Lohnt sich der Aufwand?
Absolut! YourSpotify ist mehr als nur eine Spielerei. Es ist ein Tool für Musikliebhaber, die gerne in Daten graben und die volle Kontrolle über ihre Hörgewohnheiten haben wollen. Die Installation ist (dank Docker) in 15 Minuten erledigt, und der Mehrwert ist enorm. Du entdeckst vergessene Perlen in deiner Bibliothek und siehst genau, wie sich dein Musikgeschmack über die Jahreszeiten entwickelt.
Nützliche Links
- GitHub Repository (Yooooomi)
- LinuxServer Dokumentation für YourSpotify
- Spotify Developer Dashboard
- Docker Dokumentation
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